Wir sind Welterbe-Pate!

In der in großen Teilen intakten Erfurter Altstadt haben sich einmalige bauliche Zeugnisse der bedeutenden jüdischen Gemeinde aus der Zeit zwischen dem ausgehenden 11. und der Mitte des 14. Jahrhunderts erhalten. Dabei handelt es sich um die Alte Synagoge, eine der ältesten, größten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Synagogen, die Mikwe mit Baubeginn im 12. Jahrhundert sowie einen jüdischen Profanbau des 12. und 13. Jahrhunderts, das so genannte "Steinerne Haus". Ergänzt und aufgewertet werden die Bauzeugnisse durch eine einzigartige Fülle von Sachzeugnissen wie Grabsteine, Handschriften und den weltweit einmaligen "Erfurter Schatz". Gemeinsam geben sie Aufschluss über das jüdische Gemeinde‐ und Alltagsleben sowie das Zusammenleben von Juden und Christen in mittelalterlichen Städten – in einer Komplexität, die mit keiner bekannten Stätte vergleichbar ist. In Erfurt lässt sich die frühe Blütezeit mitteleuropäischer jüdischer Kultur nachvollziehen, bevor diese durch die Zäsur der "Pestpogrome" Mitte des 14. Jahrhunderts jäh beendet wurde. Deshalb steht Erfurt mit seinem jüdischen Erbe des Mittelalters seit 2014 auf der offiziellen Vorschlagsliste der Bundesrepublik Deutschland für die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.

Vorrangiges Ziel der Beantragung ist es, den Rang der Alten Synagoge Erfurt, der Mikwe und des Steinernen Hauses als Einzeldenkmale wie auch als Zeugnisse der jüdischen Religion und Kultur in Mitteleuropa zu bestärken. Gleichzeitig soll dadurch die Präsenz des Judentums in Europa seit der Antike stärker in das allgemeine Bewusstsein gerückt werden. Die Auseinandersetzung von Juden und Christen hat Europa in seiner heutigen Form entscheidend beeinflusst. Die Landeshauptstadt Erfurt kommt damit der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands nach, die gemeinsamen Wurzeln von Juden und Christen in Europa in Erinnerung zu rufen und den Beitrag jüdischer Bürger zu Gelehrsamkeit und wirtschaftlicher Blüte angemessen zu würdigen.

Die acht Tafeln im "Haus des Wohnens" geben einen Überblick über die Stadt Erfurt sowie die einzelnen Bestandteile ihres einmaligen jüdischen Erbes. Die Neuentdeckungen in Erfurt und die dadurch angeregten intensiven Forschungen der letzten Jahre haben das bisherige Wissen über jüdische Siedlungs‐ und Kulturgeschichte des Früh‐ und Hochmittelalters maßgeblich erweitert. Deshalb wird die WBG Einheit eG auch weiterhin das Erfurter Kulturerbe unterstützen.